Ob als Brennstoff und Energieträger für Industrie, Verkehr oder Gebäudesektor - Wasserstoff soll fossile Energieträger zunehmend substituieren und damit zur Treibhausgasneutralität und dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen beitragen. Einen Großteil des Wasserstoffbedarfs werden wir in Deutschland auch zukünftig durch Importe aus dem Ausland decken müssen. Von großer Bedeutung ist daher die Entwicklung einer geeigneten Transport- und Verteilerinfrastruktur.
Wasserstoff kann sowohl im gasförmigen als auch im flüssigen Zustand gespeichert oder transportiert und als Energieträger genutzt werden. Mit dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur steigt auch der Bedarf an geeigneten Mess- und Sensorlösungen zur Überwachung der transportierten Menge. Für eine wirtschaftliche Nutzung des neuen Energieträgers muss man hochgenau erfassen können, wie viel durch die Leitung fließt oder getankt wurde: ein eichfähiges und industrietaugliches Messverfahren wird benötigt. Flüssigwasserstoff stellt gängige Messmethoden allerdings vor Herausforderungen. Er hat mit -253°C eine sehr geringe Temperatur, muss in speziellen vakuumisolierten Leitungen oder Tanks transportiert oder gelagert werden und neigt bei Temperatureintrag zu Gasblasenbildung.
Das Institut für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg möchte ein neuartiges akustisches Messverfahren zur Durchflussmessung bei Flüssigwasserstoff und anderen Flüssigenergieträgern entwickeln. Mit Hilfe einer speziellen Ultraschallsensorik auf Basis geführter akustischer Wellen (GAW) soll ermöglicht werden, auch bei niedrigsten „kryogenen“ Temperaturen den Durchfluss präzise zu messen.
Backer, Alexander; Drese, Klaus Stefan (2026)
Tagungsband 23. GMA/ITG-Fachtagung Sensoren und Messsysteme 2026 2026, 167-171.
In dieser Arbeit wird ein Ansatz zur ultraschallbasierten Durchflussmessung unter Verwendung von
Zylindermoden vorgestellt. Im Gegensatz zu etablierten Verfahren wie der diagonalen Durchschallung
oder Lambwellen wird hierbei das gesamte Rohr samt Fluid zum Schwingen angeregt, wodurch eine
nicht-invasive Messung über die Rohrwand ermöglicht wird. Zur gezielten Sensorauslegung wurde ein
Berechnungsansatz entwickelt, der auf der Analyse von Dispersionsdiagrammen mit und ohne
Hintergrundströmung basiert. Dadurch lässt sich der zu erwartende Messeffekt aus der Änderung der
Phasen- und Gruppengeschwindigkeit bestimmen.
Die
Simulationen wurden mit COMSOL Multiphysics unter Berücksichtigung turbulenter
Strömungsprofile durchgeführt und dienten der Identifikation eines optimalen Arbeitspunktes, der bei
280 kHz gefunden wurde. Darauf aufbauend wurde ein Sensor mit ringförmig angeordneten
Piezokeramiken entwickelt und experimentell an einem Wasserprüfstand validiert.
Die Messergebnisse zeigen eine gute Übereinstimmung der berechneten und experimentell bestimmten
Signallaufzeitverschiebungen. Insgesamt demonstriert die Arbeit, dass die Berechnung von
Dispersionsdiagrammen mit Hintergrundströmung eine effiziente und zielgerichtete Entwicklung von
Ultraschalldurchflusssensoren ermöglicht und großes Potenzial für zukünftige Anwendungen bietet.Ultraschall-Durchflussmessung mit geführten akustischen Wellen: Der Einsatz von Zylindermoden in Rohrsystemen
DOI: DOI 10.5162/sensoren2026/D2-1.2
Open Access
Backer, Alexander; Drese, Klaus Stefan (2025)
Proceedings, 2025 ICU PADERBORN, 9th International Congress on Ultrasonics – ICU 2025, 85-88.
This paper explores an alternative approach to ultrasonic flow measurement using guided acoustic waves in cylindrical modes. Unlike conventional methods with diagonal sound propagation, the entire pipe including the fluid is excited to vibrate, reducing path-dependent correction factors. A ring-shaped sensor was developed for a DN15 steel pipe. Results show a signal time shift 2.5 times greater than with Lamb wave-based sensors, adjustable over distance. This approach enables precise, non-invasive flow measurement across various pipe diameters.Ultrasonic Flow Measurement Using Guided Acoustic Waves: Application of Cylindrical Modes in Pipe Systems
DOI: 10.5162/Ultrasonic2025/A12-b3
Open Access
| Doktorand / Doktorandin | Alexander Backer |
|---|---|
| Forschungsschwerpunkt | HRK Schwerpunkt Smart Sensing, Automation and Analytics |
| Zeitraum | 01.02.2023 - 31.01.2027 |
| Wissenschaftlich betreuende Person HS-Coburg | Prof. Dr. Klaus Stefan Drese |
| Einrichtungen |
Hochschule Coburg Fakultät Angewandte Naturwissenschaften und Gesundheit (FNG) |
| Wissenschaftlich betreuende Person (extern) | Universität Paderborn |
ORCID iD: 0000-0001-8829-1161
ORCID iD: 0000-0003-3423-4510